„Olympia – da zählen nur die Medaillen“ - Interview mit Stephan Keppler
Zwei Platzierungen unter den Top 15 – so lautet die Formel, nach der die Olympia-Tickets für Vancouver vergeben wurden.
In den Speeddisziplinen war eine Olympia-Qualifikation aus deutscher Sicht zuletzt Max Rauffer (2002) und Markus Wasmeier (1994) gelungen.
16 Jahre nach „Wasi“ tritt mit Stephan Keppler ein Ebinger das Erbe des zweifachen Olympiasiegers an.
Nachdem die Saison für den Wahl-Münchner, der übermorgen 27 Jahre alt wird, verhalten begann, fuhr das Vereinsmitglied des WSV Ebingen
kurz vor dem Jahreswechsel im italienischen Bormio auf Rang 13. Am vorigen Wochenende erfüllte Keppler ausgerechnet auf der legendären „Streif“ in Kitzbühel
im Super-G als 14. den zweiten Teil der Olympia-Norm.
Nach sieben erfolglosen Speedwettbewerben gelang Ihnen in Bormio eine Platzierung unter den Top 15.
War das der Befreiungsschlag? Wie kam es zu dieser Leistungssteigerung?
STEPHAN KEPPLER: Klar, die Erleichterung war groß. Ich hatte vor Bormio mit Materialproblemen zu kämpfen, vor allem mit meinem Skischuh.
Dessen oberen Teil habe ich mittlerweile komplett umbauen lassen, sodass der Schuh besser auf die Verhältnisse auf der Piste abgestimmt ist.
Ich werde immer schneller.
Sie hatten bereits kurz nach Bormio angekündigt, dass Sie sich in Kitzbühel Chancen auf ein ähnlich gutes Ergebnis ausrechnen.
Fühlen Sie sich auf der „Streif“ wohl?
KEPPLER: Bormio und die Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel sind meine zwei Lieblingsabfahrten. Da ich im Gleiten meine Schwächen habe,
kommt es mir sehr entgegen, dass beide Strecken weniger Flachstücke aufweisen. Kitzbühel ist steiler, was ich mag, auch wenn die „Streif“ die mit Abstand
schwerste Abfahrt ist.
Die deutschen Abfahrer haben sich in diesem Weltcupwinter nicht mit Ruhm bekleckert. Das Team musste viel Kritik einstecken.
Wie sehr hat Ihre erfolgreiche Olympiaqualifikation der alpinen Nationalmannschaft Auftrieb gegeben?
KEPPLER: Nicht nur meine Qualifikation hat der Mannschaft neues Selbstvertrauen gegeben. Auch der Slalomsieg von Felix Neureuther und
dessen Olympiaqualifikation haben allen gezeigt, dass es noch geht. Am Anfang des Weltcupwinters musstest du als Deutscher gar nicht auf die Piste.
Da hieß es, die schaffen's eh' nicht.
16 Jahre liegt der letzte Erfolg der deutschen Männer bei Olympia zurück. Damals holte Markus Wasmeier in Lillehammer Gold im Super G.
Was sind Ihre Ziele bei den Olympischen Spielen in Kanada?
KEPPLER: Bekanntlich gibt es bei Olympia das sogenannte „Favoritensterben“. Da hat jeder seine Chance, auch wenn er nicht zu den ausgemachten Topleuten zählt.
Ich traue mir durchaus zu, sowohl in der Abfahrt, als auch im Super-G, unter die Top 10 zu fahren. Mein Ziel steht: Bei Olympia zählen nur die Medaillen.
Sind die Olympischen Spiele schon der Höhepunkt Ihrer Sportlerkarriere? Erklären Sie bitte die „Faszination Olympia“.
KEPPLER: Jeder Sportler verfolgt das große Ziel, zumindest einmal bei Olympischen Spielen um die Medaillen zu kämpfen.
Der Höhepunkt meiner Karriere ist Vancouver sicherlich noch nicht. Ich will wieder zu den Olympischen Spielen – dann vielleicht als Favorit.
Waghalsig fahren die alpinen Skirennläufer in einem atemberaubenden Tempo die Pisten hinunter. Was geht Ihnen durch den Kopf,
wenn Sie mit 150 Sachen den Berg hinunter heizen?
KEPPLER: Der Adrenalinrausch ist schon besonders, etwa wenn man in Kitzbühel Richtung „Mausefalle“ schaut.
Doch während der Fahrt bin ich komplett konzentriert. Da denke ich an meine Linie, die ich fahren muss und an andere technische Details.
Quelle: ZAK 30.01.2010
|