Ohne Seilwinde gibt es viele Klimmzüge

Schwäbische Ski-Meisterschaften in Albstadt

Jugend trainiert für Olympia: Am kommenden Samstag und Sonntag richtet der WSV Ebingen die Schwäbischen Schülermeisterschaften im Slalom und Riesenslalom auf seinem eigenen Hang beim Skilift aus.

Eigentlich nichts Besonderes, könnte man meinen. Schließlich zählen die WSV-ler zur den renommiertesten Organisatoren internationaler Rennen und demnächst steht ihnen mit den Deutschen Meisterschaften in den Speed-Disziplinen in St. Moritz ein weit bedeutenderes Ereignis bevor. Und doch fiebern der Vereinsvorsitzende Siegfried Binder und seine Helfer dem Wochenende entgegen: „Falls alles reibungslos klappt, wäre dies eine Empfehlung an den Deutschen Skiverband, künftig FIS-Rennen nach Albstadt zu vergeben.“

Um dieses hehren Zieles willen hat der Verein in diesem Jahr viel Kritik über sich ergehen lassen müssen und auf Einnahmen aus dem Liftbetrieb verzichtet. Der Steilhang ist seit Beginn des Winters gesperrt, die Skifahrer werden gezwungen auf Dreiviertelshöhe auszusteigen. Natürlich nicht ohne Grund. Schon seit Dezember laufen die Schneekanonen heiß um genügend Maschinenschnee für die Piste zu produzieren.

Trotz des wenigen Neuschnees reicht die Menge aus, um im unteren, flachen Teil seit Weihnachten den Skibetrieb aufrecht zu erhalten. „Wir sind die Einzigen auf der Alb, die das hinbekommen. Selbst Lifte am Feldberg mussten schon schließen“, sagt Binder nicht ohne Stolz. Rennteams bis hinauf nach Heilbronn würden zum Training nach Albstadt kommen, und auch der Schwäbische Skiverband (SSV) habe mangels Alternativen Lehrgänge am Ebinger Lift abgehalten.

Der Steilhang blieb aber für alle tabu: „Die hätten uns den Schnee sofort weggerutscht und wir hätten für die Schülermeisterschaften nicht mehr die notwendige Streckenlänge und Höhenmeter anbieten können“, erklärt Binder.

Ohnehin sei dessen Präparierung äußerst schwierig. Die im Einsatz befindliche Pistenraupe habe sich ob des brutalen Gefälles als untauglich erwiesen, den Schnee großflächig zu verteilen und zu verdichten: „Dazu brauchen wir dringend ein Gefährt mit Seilwinde.“ Bislang wird die Muskelkraft der Vereinsmitglieder eingesetzt, um ideale Voraussetzungen für den Riesenslalom zu schaffen, der von ganz oben gestartet werden soll. „Ein bisschen Neuschnee würde es uns einfacher machen“, sagt Binder, „und so wie es aussieht habe ich allen Grund, optimistisch zu sein.“

Schon vor einer Woche hat er dem Ausweichort Altglashütte am Feldberg eine Absage erteilt. Denn der Slalom am Sonntag könne auf jeden Fall wie geplant ausgetragen werden, da das Starthäuschen unmittelbar unterhalb der Bäume zwischen Familienabfahrt und Steilhang stehe und der Kurs problemlos präpariert werden könne. Und falls der Neuschnee nicht für den gesamten Steilhang ausreiche, gebe es die Möglichkeit, den Riesenslalom am Samstag einige Meter nach unten zu verlegen: „Die erforderliche Streckenlänge bekommen wir auf jeden Fall hin, letztlich entscheidet am Freitag eine Mannschaftsführersitzung über den exakten Verlauf.“

Zu beiden Wettbewerben erwartet Siegfried Binder an die 100 Jungs und 80 Mädchen zwischen elf und 14 Jahren – und natürlich viele interessierte Zaungäste. Der erste Durchgang beginnt jeweils um 10 Uhr. Mit dabei sind selbstverständlich die Talente aus den Albstädter Skivereinen, die vor heimischer Kulisse besonders gut abschneiden wollen.

Quelle: ZAK, DILI, 29.01.2010