Keppler überrascht in Beaver Creek vor allem sich selbst

Beim letzten Wettbewerb in Übersee hat es doch noch geklappt. Der Albstädter Stephan Keppler belegte beim Super G in Beaver Creek den 15. Platz und holte die ersten Weltcup-Punkte.

Stephan Keppler - Mitglied im Rennteam des WSV Ebingen „Ich bin sehr erleichtert“, sagte der 28-Jährige, der den Saisonauftakt im kanadischen Lake Louise verpatzt hatte und zunächst auch mit der „Raubvogel“-Piste im amerikanischen Beaver Creek nicht gut zurechtgekommen war.

Das erste Abfahrtstraining in dem mondänen Wintersportort musste abgesagt werden, weil viele Rippen im Steilhang die Strecke zu gefährlich gemacht hatten. Der Lokalmatador Bode Miller, der später die Abfahrt gewann, verweigerte als Erster das Training, weitere Rennläufer schlossen sich ihm an. Die Organisatoren hobelten die Buckel ab, so dass am Mittwoch die erste Übungseinheit absolviert werden konnte. Als 47. kam Keppler weit hinter den Spitzenläufern ins Ziel. Nicht viel besser lief es für den Speed-Spezialisten vom WSV Ebingen am Donnerstag. Zum Trainingsschnellsten Hannes Reichelt fehlten ihm fast drei Sekunden.

Entsprechend verhalten waren seine Erwartungen an ein gutes Ergebnis am Freitag. Mit der Nummer 23 katapultierte er sich aus dem Starthaus und drückte die ersten Wellen vor dem Steilhang weg. Hatten die Fahrer zuvor noch beste Sicht, so verdunkelte ausgerechnet bei seiner Fahrt eine Wolke die Sonne. Ausgerechnet in der anspruchsvollsten Passage waren keine Konturen zu erkennen, ohne eigene Schuld büßte Keppler zwei Sekunden ein und wurde am Ende nur 44. Auch die Tatsache, dass die Konkurrenten mit ähnlich schlechter Sicht nicht schneller unterwegs waren, konnte ihn nicht über dieses Ergebnis hinwegtrösten. „Das heute war gegen alle Erwartungen. Mein Gefühl war so viel besser als zuvor“, war er sichtlich enttäuscht.

Doch am Samstag platzte im Super G der Knoten. Dieses Mal trug er die Startnummer 26 und fand dieselben Bedingungen wie die anderen Rennläufer vor: Leichter Schneefall und Nebel. Im obersten Streckenabschnitt fuhr Keppler hinterher, machte bis zur zweiten Zwischenzeit aber eine Menge Boden gut und wurde zunächst auf Platz zwölf notiert. Drei Fahrer mit höheren Startnummern drängten sich noch nach vorne, darunter der Überraschungssieger Sandro Viletta aus der Schweiz.

Da in den Rennen zuvor auch Kepplers Nationalmannschaftskollegen Andreas Sander und Tobias Stechert Weltcup-Punkte eingesammelt hatten, steht dem DSV in den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super G künftig jeweils ein Startplatz mehr zur Verfügung.

Wegen Schneemangels wurden die Wettbewerbe im französischen Val d’Isere abgesagt, weshalb der Weltcup-Zirkus ein paar Tage länger in den USA bleibt. Für Keppler soll es am übernächsten Wochenende im italienischen Val Gardena weitergehen. An die Rennen in Gröden hat der Wahl-Münchner beste Erinnerungen: Beim Super G vor einem Jahr belegte er dort sensationell den zweiten Platz, in der Abfahrt war er Zehnter.

Quelle: ZAK, 8.12.2011, Reinhard Linder